Der Aspikismus. Eine Bereicherung des Kunstbegriffes durch ausgekochte Schweineschwarten.
A) Regelwerk: Im Aspikismus geht es mehr um die plastische Darstellung in Form von Skulpturen als um Gemälde. Der Aspikismus hat zudem Ähnlichkeiten mit den modernen Stilrichtung der „Pop-Art“ und des „Dadaismus“: Man kann absolut jeden Scheiß benutzen, den man will, Hauptsache man legt ihn nachher in einen ausreichend großen Quader Aspik ein. Beispiel: Ein Fahrrad mit einer goldenen Fahrradkette und eine Klingel aus Marzipan in Aspik. (Natürlich wird hier das komplette Fahrrad in Aspik eingelegt.) Ein Bild wird im Aspikismus nicht bewertet, es kommt nur darauf an, dass es in Aspik eingelegt ist. (Nachträglich eingefügte Anmerkung: Es ist tatsächlich Aspik gemeint.)
B) Philosophie: Die Philosophie des Aspikismus ist eine subtile, aber nicht versteckte Antipathie dem sogenannten „politischen System“ gegenüber. Man verhöhnt einerseits dadurch, dass es nur eine einzige Regel gibt - die aber strikt befolgt wird - vorherrschende verstrickte Reglementierungshyperbeln, andererseits grenzt man sich so deutlich und scharf von allen anderen Stilrichtungen ab, dass eine absolute Polarisation nicht zu vermeiden ist: Entweder betreibt man Aspikismus oder man tut es nicht. Es gibt kein Mittelding, wie beispielweise ein teilweise in Aspik eingelegtes Gemälde. Ein nur teilweise in Aspik eingelegtes Gemälde ist Pop-Art oder irgendein anderer Schund, jedenfalls kein Aspikismus. Alle Werke des Aspikismus sind komplett in Aspik eingelegt. Durch die aktuelle Popularität der sogenannten "Toleranz", deren Anwendung erheblich dazu beiträgt, jegliches Wertesystem aufzuweichen kommt diesem neuen Stil eine besondere Aufgabe zu: Er darf auf keinen Fall mit anderen Werken vermischt werden. Ich rufe an dieser Stelle dazu auf, jegliche „Kunst“-ausstellung und jede gottverdammte Vernissage in Schutt und Asche zu verwandeln, das es wagt, neben einem Werk des Aspikismus ein Werk einer anderen „Kunst“-richtung zu platzieren. Ausnahme: Das Gebäude, in dem sich die Ausstellung befindet, wurde komplett in Aspik eingelegt.
C) Ziel: Das Ziel des Aspikismus ist es, den Kunstbegriff zu reinigen und ihn von Scharlatanerie und Kommerzialisierung zu befreien. Viel zu viel Krimskrams wurde schon als Kunst bezeichnet, viel zu viel Sinn wurde schon in leere Hüllen gestopft, im wahrsten Sinne als „Farce“. Der Kunstbegriff wurde irgendwo zwischen „einem gekonnten Ausdruck innerer Vorgänge“ und „einem Imitat der natürlichen Ästhetik“ verschlampt. Wir wollen ihn wiederfinden, in der Reinheit der Regel.
Nächster Meilenstein des Aspikismus ist der Bundestag in Aspik. Die Idee mag den Kunstinteressierten an Christos Verhüllungs-Schnickschnack erinnern, es gibt aber einige wichtige Unterschiede: 1.Der Bundestag muss nicht evakuiert werden. 2.Das Aspik wird im Gegensatz zur Verhüllung nicht wieder entfernt.
Ausführliche Begründung des Kunstbegriffes des Aspikismus
Progressive Entwicklung des Dadaismus Der Aspikismus versteht sich als Weiterentwicklung des Dadaismus, allerdings ist er kein Dadaismus. Es wird ebenso großer Wert auf die Ähnlichkeiten wie auf die Unterschiede gelegt. Vom Dadaismus übernommen ist die Abgrenzung von konventioneller Kunst, im Gegensatz zum Dadaismus will der Aspikismus jedoch nicht vorhandene Normen und Werte zerstören, sondern lediglich in Aspik einlegen. Trotzdem stellt der Aspikismus – genau wie der Dadaismus – jeden vorhandenen Kunstbegriff in Frage und hat nach dem Manifest des Aspikismus mindestens zwei Möglichkeiten, dies zu demonstrieren (bzw. den Kunstanspruch zu demontieren):
- Er legt vorhandene, etablierte Kunst in Aspik ein und verkauft sie als eigene - Im Falle einer Vermischung von etablierter Kunst und Aspikistischen Werken zerstört der Aspikist die gesamte Ausstellung oder – sollte er finanziell nicht dazu in der Lage sein den Schaden zu bezahlen – zumindest die ausgestellten Aspikistischen Werke.
Ausdruck kollektiver Emotion Trotz starkem Beiklang von Blödsinn und scheinbarem Mangel an Ernsthaftgkeit ist der Aspikismus tatsächlich Kunst, denn er ist ein gekonnter Ausdruck aktueller kollektiver internationaler Emotion. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der weltweiten politischen Situation. Das eigentliche Ziel des Aspikismus (siehe Manifest) besteht darin, den kompletten Bundestag in Aspik einzulegen. Dieses unrealistische Vorhaben wird einerseits belächelt, drückt aber unleugbar eine Verachtung der politischen Zustände aus. Aspik – auch Sülze genannt – ist zudem genau das, was Politiker im Volksmund leisten: Sie sülzen. Den Bundestag in Aspik einzulegen bedeutet also nicht anderes als Gerechtigkeit zu schaffen: Die Macher der Politik sollen das bekommen, was sie verdienen.
Zweiter Aspekt des Bundestags in Aspik ist die Greifbarmachung politischer Abkapselung. Von einer Herrschaft des Volkes kann man heutzutage kaum noch sprechen, von der Demokratie ist dem Volk nur noch das Wahlrecht geblieben, die Programme der großen Parteien unterscheiden sich nicht mehr wesentlich und nichts garantiert dafür, dass die Vorhaben der Politiker nach der Wahl noch dieselben sind wie davor. Die großzügigen Diäten der Politiker runden das Gesamtbild noch ab: Die Politik hat sich fast vollkommen vom Volk abgekapselt. Diese Abkapselung kann friedvoll und progressiv vollendet werden, indem man den gesamten Bundestag in einen riesigen Quader Aspik einlegt.
Gegensätze Aspikisten legen viel Wert darauf, nicht nur zu kritisieren, sondern konkrete Lösungsvorschläge aufzuzeigen. Dies wird unter anderem durch die „Reinheit der Regel“ demonstriert. Dem politischen Zustand unnötiger Komplexität setzt der Aspikismus eine ebenso unnötige Einfachheit gegenüber - es gibt nur eine einzige Regel, die aber strikt und mit größtmöglichem Ernst befolgt wird.
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