Helge und die Gemeinschaft

Ich hasse die Gemeinschaft. Ich werde nichts für die Gemeinschaft tun. Die Gemeinschaft ist nicht mehr als eine Waffe der verkappten Egoisten. Helge, hilf uns doch bitte das und das zu tun, für das Gemeinwohl, für die Gruppe bliblablo. Doch Tonfall und Blick verraten eine gerechte Strenge, mit der ich notfalls gezüchtigt werden könnte, sollte ich dem heiligen Gemeinwohl nicht ergeben dienen wollen.
Man wird mich wohl nicht schlagen, aber man wird versuchen mir ein schlechtes Gefühl zu vermitteln, eine gerechtes Gefühl der Isoliertheit, ich wollte ja nicht partizipieren. Vielleicht versucht man Andere auf seine (die Gruppenseite) zu ziehen, das sollte nicht schwerfallen. Jeder hat Angst davor, der “Buhmann” zu sein, der böse Egoist, der Eigene, den offen zu prangern man sich heutzutage scheut, aber der keinerlei “Gruppenvorzüge” verdient, jene “Gruppenvorzüge”, die sich die Mitglieder der jeweiligen Gemeinschaft durch das Gemeinschaft-Sein verschafft zu haben glauben.
So könnte mir ein hartgesottener Verfechter der Gruppenideologie seine Hilfe bei einem Problem verweigern, das nur mich betrifft, weil er Hilfsbereitschaft als Gut der Gruppe glaubt, deren Teil ich nicht sein will. Er könnte mir aber auch einfach als er selbst helfen, ohne für seine Handlung einer Gruppenlegitimation zu bedürfen. Doch er ist ganz und gar Gemeinschaft so scheint es, denn jede seine Handlungen, vielleicht sogar Gedanken, scheinen gruppenkonform zu sein.
Das sogenannte Gemeinwohl (als Motivation) dient dazu, anderen seinen persönlichen Willen aufzuzwingen. So will scheinbar die Gruppe kochen, doch es sind nur Menschen, die Hunger haben. Ich soll teilhaben, damit das Gruppenessen die Mägen füllen und der Gruppengeist die Herzen wärmen kann. Tue ich es nicht, weil ich grade keine Lust habe,   können die Mägen zwar voll werden, doch der Gruppengeist ist verstimmt. Ein Fremdling hat sich eingeschlichen, so scheints, und will nur schmarotzen! Er will der Gruppe nur nehmen, doch nichts zurück geben! Das stimmt.
Die Gemeinschaft bedeutet mir nicht mehr als ein anderes Gespenst, mit dem man mir Angst machen will und von dem man mir erzählt, seine Gunst könne meine Zukunft vergolden. Ich hasse, wie gesagt, die Gemeinschaft.
Dich, der Du nicht versuchst mir deinen Willen aufzuzwingen, mag ich. Ich helfe dir gern. Ich sehe dich als den, der du bist, nicht als Vertreter. Wenn wir uns begegnen, möchte ich dir begegnen, nicht deinem Chef, nicht deinem Staat und nicht deiner Mutter. Wenn du glaubst, deine Ideologie sei ein Teil von dir, ist das ok. Aber versuche nicht, sie in mich hinein zu pressen. Du musst nichts vorschützen um meine Gunst zu erwerben! Ich verurteile nicht deinen Egoismus, ich verurteile nicht deine Eigenwillen, ich verurteile nicht deine sogenannte Unvernunft. Ich verurteile dich überhaupt nicht. Ich will nur nicht, dass du mir auf den Sack gehst. Wenn du meine Unterstützung willst, frag mich einfach. Wenn ich keine Lust habe, wird das seine Gründe haben. Versuchst du, mich mit dem Gruppengeist zu fangen, kannst du mich ebensogut mit einem kleinen Elektoschocker piesacken. Was glaubst du passiert dann?
Wenn Du glaubst, du müsstest mich zu meinem eigenen Wohl “korrigieren”, appelliere nicht an meine “Selbstlosigkeit” sondern an meine Intelligenz. Wenn Du mir erklären kannst, warum ich dumm bin, könnten wir gute Freunde sein. Wenn du fordest, ohne zu geben, bist du der Schmarotzer. Ich brauche deine Gemeinschaft nicht zum Schutz oder Wohlgefühl und du brauchst sie nur, wenn du schwach bist. Doch vor mir brauchst du sie selbst dann nicht, denn ich will dir nicht meinen Willen aufzwingen. Ich habe kein Interesse daran, dir weh zu tun, dich zu “kontrollieren”, zu erziehen oder deinen Willen zu brechen. Wir können als die eigensten, die wir sind, viel Spaß haben, davon bin ich überzeugt.

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